Hermann Kesten an Arnold Zweig
Paris, 14. Juni 1933

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Original: Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek. München, mit freundlicher Genehmigung von Marian Houston Strauss.

 

Hermann Kesten
Paris (1.)
11 place Dauphine
14.6.33.

Sehr verehrter Herr Arnold Zweig,

ich schreibe Ihnen heute einer Angelegenheit wegen, von der ich hoffe, dass Sie Ihnen gefallen wird und der Sie Ihre Mitwirkung nicht versagen werden.

Ich mache für den Allert de Lange Verlag, Amsterdam (C.) Damrak 62. – eine Anthologie von Novellen berühmter gegenwärtiger deutscher Autoren, die Juden sind.

Der holländische Verlag Allert de Lange hat in Amsterdam einen deutschen Verlag gegründet, der unter Leitung von Frau H. van Praag Sanders steht und bereits eine Reihe von deutschen Autoren erworben hat.

Ich wende mich u. a. an folgende Autoren: Beer-Hofmann, Max Brod. Alfred Döblin. Lion Feuchtwanger. Georg Hermann. H. E. Jacob. Alfred Neumann. Robert Neumann. Joseph Roth. Felix Salten. Ernst Toller. Jakob Wassermann. Ernst Weiss. Franz Werfel. Arnold Zweig. Stefan Zweig.

Ich bitte um unveröffentlichte Novellen, bin aber bereit auch eine schon veröffentlichte Novelle aufzunehmen. Der Verlag will generell 60 holländische Gulden (das sind circa 105 Reichsmark) per Druckbogen zahlen. Der Verlag plant eine Erstauflage von 5000 Exemplaren, einen Gesamtumfang von etwa 20 Bogen. Ich denke also an Erzählungen zwischen 15–40 Switen etwa. Das Buch soll noch diesen Herbst erscheinen. Der Schlusstermin für die Einsendungen wäre der 15. August. Doch bitte ich Sie sehr, mir umgehend sagen zu wollen, ob Sie geneigt wären, für diese Anthologie eine Novelle zu geben, da der Verlag und ich sehr bald schon wissen möchten, auf welche Autoren wir fest rechnen dürfen. Der Verlag will am Ende des Buches ein bibliographisches Verzeichnis des Gesamtwerk der Autoren geben. Ich würde Sie also bitten, im Falle Ihrer Mitarbeit, mir ein Verzeichnis aller Ihrer Schriften mitsenden zu wollen.

Ich bitte Sie, mir mitteilen zu wollen, ob Sie mit den vom Verlag vorgeschlagenen Bedingungen einverstanden sind. Ich hoffe keine Fehlbitte zu tun. Ich darf Sie versichern, wie ausserordentlich viel dem Verlage und mir daran liegt, gerade von Ihnen eine Arbeit zu erhalten.

Dieses Buch soll durch nichts anderes wirken als durch die dichterische Qualität und geistige und künstlerische Grösse seiner Beiträge.

Ich werde mich sehr freuen, recht bald von Ihnen eine Antwort zu erhalten und ich hoffe eine günstige Antwort zu bekommen.

Wie geht es Ihnen? Ich habe mich gefreut, von Landauer zu hören, dass auch Ihre Frau inzwischwn bei Ihnen eingetroffen ist. Werden Sie die nächste Zeit in Bandol bleiben?

Ich bin mit den besten Grüssen an Ihre Frau und Sie
Ihr sehr ergebener